Sonntag ist Waltag

Um 08.30 Uhr wurden die beiden Caritashelfer vom penetranten Handyalarm des Herrn der Felle aus dem Tiefschlaf gerüttelt. Warum so früh, fragt ihr euch? Ja weil heute unser grosser Bären- und Waltag war. Pünktlich zum Einchecken auf der Nautilus(t) trafen die beiden aargauer Bärentöter ein, wo nach einem seriösen Durchzählen der netten Christine sogleich abgedampft wurde. Die Gruppe bestand vorwiegend aus schwedischen Handgranatanbastlern, die ihre Frauen mal wieder schick ausführen wollten. Vor uns sass noch ein junges Paar aus Vancouver mit ihrem als Nils Holgerson verkleideten Schnösel. Hinter uns, und das machte uns etwas Sorgen, nahmen noch 2 junge talibanesische Zwillinge mit Rabbinerbart Platz. Eine kurze Leibesvisitation unsererseits zeigte, dass sie ausschliesslich Toblerone und einen holländischen Edamer mitschmuggelten. Somit konnten wir uns voll und ganz auf die natürlichen Highlights dieser Reise konzentrieren. Kaum 5 Minuten auf See kam schon ein herrlicher Weisskopfseeadler über den gekröpften Nordanflug dahergeflogen. Erklärbär-Schär war noch nicht ganz wach und so entgieng ihm dieser gefiederte Freund. Nach einer weiteren Kurve, um eines der zahlreichen Inselchen, tanzte dann schon unser erster Bär für uns. Wir ertappten ihn gerade auf Futtersuche, die er mit stoischer Ruhe und ohne uns gross zu beachten, vorantrieb.

Auf der Suche nach was Essbarem.

Nachdem alle Grosis und Grossättis (der Ausflug glich jahrgangsmässig eher einem Altersnachmittag in Kirchgemeindehaus Strengelbach) ihr Bildli geschossen hatten, ging die Fahrt weiter. Vor uns sprangen lachsgrosse Fische aus dem Wasser und zeigten damit ihre grosse Freude über unser Kommen. Kaum am nächsten Ufer konnte man schon den nächsten Schwarzbären bestaunen. Die nette Christine erklärte, dass es auf Vancouver Island ca. 10′000 davon und ausschliesslich Schwarzbären habe. Ab und zu verirrt sich ein orientierungsloser Grizzly auf die Islands, aber das kommt eher selten vor. Die beiden Taliban sprangen jeweils wie von Allah befohlen, von ihren Sitzen und hielten mit ihrer Sony drauf. Ein weiterer Bär später fuhr der Herr Benj am Steuer einen Fels an, auf dem sich einige Seelöwen dem Frühschoppen hingaben. Wie hingeworfene Sandsäcke lagen sie rum und starrten uns neugierig nach. Ab und an kreuzte uns ein anders Bear-Watching-Schiff mit Schwimmvesten-behangener Brust.

Auf dem Rückweg dann zeigte uns der Guide noch einen Adlerhorst, in dem ca. 5monatige Adlerbuschis hausten. Ihre Eltern brauchen dieses Nest seit nunmehr 20 Jahren, um ihre Eier zu legen. Auf einem kleineren Inseli daneben dann eine Weltsensation: der Guide sah auf einmal, dass es von einem Bären bewohnt wird. Er versicherte uns, dass er noch nie einen Bären auf so einem kleinen Eiland gesichtet habe. Nach knapp 2,5 Stunden war der Spuk vorbei und man verliess das Schnellboot. Ollesandro und da Vinci suchten dann die nächste Kneipe für ein ausgiebiges Mittagessen und wurden im Shelter Skelter fündig. Sympathische junge Katzen in netten schwarzen Scheuben servierten im sekundentakt die leckersten Waren. Auch wir wurden an ein Tischchen gesetzt, an dem schon bald ein Bankett der Superlative statt fand. Zu einem Bier gab es für den Zofinger Vegeterian eine Art griechischen Salat mit tüchtig Feta, Kürbiskernen und Datteln, dazu eine gewaltige Portion handshave fries mit feiner Dippsauce. Der Kleister übermannte die Lust nach Fleisch und bestellte sich einen Char grilled Alberta Beef Burger mit ebenfalls den netten fries mit der Dippsauce. Es schmeckte unglaublich, die Äuglein der beiden Schweizer drehten sich vor Freude im Uhrzeigersinn! Da unser nächster Trip bereits wieder anstand, wurde raschmöglichst bezahlt und zum Herrn Jamie weiterdisloziert, wo wir uns 2:45 Uhr einfinden mussten.

Schär-Lee beim Casting zu Armageddon II.

Gesagt getan – nach kurzer Visite des Campers, um sich die wärmere Jagdausrüstung überzuziehen für den Walfang, fanden sich die beiden Trampeltiere pünktlich bei Jamie wieder ein. Berammelung war im Büro und nach Ausruf der Worte ‚Stupid Whalewatchers’ konnte sich die Gruppe gen Süden bewegen, um sich mit lustigen orangen, wie Orangen und nicht gelb wie Bananen, Overalls einzukleiden. Fast wie an der Fasnacht aber einfach besser. Vor allem ein weiterer Patient der Dschunke sah aus, als hätte sie einen Doppelarsch, also wie ein Doppelkinn natürlich!
Nach gegenseitiger Begutachtung lachte man sich mal kräftig einen ab und wurde aufgefordert, zur Dschunke zu marschieren. Diesem Befehl wurde auch folgegeleistet. Auf dem Weg kam den beiden Patienten aus dem Ländle in den Sinn, das man irgendwie grosse Ähnlichkeit zu den Teletubbies hatte und doch ein noch lustigeres Spiel veranstalten könnte. Und zwar das überaus beliebte und allseits bekannte ‚Wer am längsten am dem Steg bleibt hat gewonnen’ Spiel. Nach ca. einer Stunde von gegenseitigem Rammen und Klopfen und Stossen und Schieben kam dann endlich unser Kapitän ins spiel. Sie hiess Jessy James und teilte uns mit, dass die Fahrt nun abgesagt ist, da wir uns so dämlich benommen haben, dass alle Wale sich kräftig an den Kopf gelangt haben und den Kanadischen Meeresraum verlassen haben gen Mexiko…
Natürlich stimmt das alles nicht – es kam dem Autor einfach so glatt in den Sinn!?!

Einmal kräftig Husten und raus mit der stinkigen Luft.

Es geschah ganz anders: Man bestieg die Dschunke ganz vorsichtig, damit auch keiner der anwesenden Patienten ins Wasser fiel, bevor die Ruckelfahrt los ging. Dann stellte sich eben unser Kapitän für diesen Tag vor: Jessy-die-es-liebt-Motoren-mit-viel-PS-zum-vibrieren-zu-bringen…wir hatten uns auf der Dschunke aka dem Zodiac Mindwarp Boot eingenistet und schon ging es los, in den weiten Ozean hinaus. Wir machten wiederum einen Halt bei dem uns bereits bekannten Wolfsadlernest. Nur, der Wolf war nicht zu Hause und der Adler hatte eine heftige Magenverstimmung, welches ihn dazu bewog drei Mal über unseren Zodiac zu kreisen und uns richtig was zukommen zu lassen…
Danach gab die Frau Kapitänin so richtig Gummi und liess uns alle zerklappern – Herrjemine, das haute aber so richtig in die Knochen und mit 534 Knoten in der Sekunde donnerte die flotte Dame gen Norden, um uns die sanften Riesen der Ozeane näher zu bringen. Nach rund 15 Stunden Fahrt erreichten wir unseren ersten Standort, wo sich üblicherweise die grauen Dinger tummeln. Und tatsächlich befand sich gerade einer dieser grauen Kolosse da! Wir harrten weitere 15 Stunden aus, um ihm beim Luftholen, Niesen, Husten, Brechen und natürlich beim Tauchen zu zuschauen. Es war wirklich ein eindrückliches Schauspiel – vor allem weil man eigentlich nur den Staub aus seiner Lunge sah und ab und zu mal einen grauen Rücken. Der gerade so gut auch als Haifischflosse hätte durchgehen können.

Danach ging es in rasanter Fahrt weiter gen Westen, wo wir als nächsten Punkt eine Seelöwenfestung auf der Speisekarte hatten. Diese waren dann auch wirklich vor Ort und haben uns freundlich empfangen. Es gab Krabbenschnaps mit Fischlurchmilch plus ein paar Häppchen, sehr exquisit! Wir kamen sogar in den Genuss eines Seelöwensurfwettbewerbes! Die Löwen warteten auf die grösste Welle, um sich dann todesmutig hinein zu werfen. Das war ein Schauspiel welches das Prädikat sehr schön erhielt.

Die faulen Säcke von Tofino!

Jessy rief uns dann wieder auf, die Gurte fester zu schnallen, denn es ging weiter gen Süden, wo wir eine Insel mit vielen frechen Meeresvögeln bestaunen konnten. Das war zwar irgendwie nicht so spektakulär und der Herr Graubart verlagerte sich dann darauf, der Jessy James ein paar Fragen über die Wale zu stellen. Leider konnte die Preisfrage von der Frau Kapitänin auch nicht genau beantwortet werden, wie alt denn so ein Wal werde. Dies ist selbst Forschern wie Ruedi Plankton oder gar Seppl Blauarsch nicht bekannt…was für eine Schmäh!
Man kurvte noch ein bisschen planlos durch die Meere, um sich dann dem Rückweg anzunehmen. Nach weiteren geschätzten 25 Stunden traf man wieder im Hafen von Tofino ein und entledigte sich des schmucken Overalls.

Auf dem Campground angekommen, bot uns dieser herrliche Sonnenuntergang den idealen Tagesabschluss.

Die Herren Trampel waren wunschlos glücklich nach diesem famosen Ausflug. Aber auch ein bisschen verkämpft und so machten sie sich auf den Weg zurück, zu ihrem Stammplatz auf dem wie-auch-immer-der-schon-wieder-heisst Campground, um sich zu waschen oder eben nicht!? Man einigte sich auf kein Abendessen – es wurde nur am Kühlschrank genascht, was das Zeugs hielt. Fest umschlungen schauten sie sich noch den wunderschönen und total romantischen Sonnenuntergang an und nach ein paar Küssen und liebevollen Hätschelungen in der Lendenregion, schaute man sich noch Dr. Mabuse und die sieben Zwerge an und ging dann zufrieden und total glücklich ins Grab, um sich den Schönheitsschlaf für den nächsten Tag zu holen.

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