Bei Frau Victoria am Hafen

Nach einem feinen Zmorge, das für einmal nicht bloss mit leckerem Brot, sondern auch mit den herrlichsten 5-Minuten-Eier der Nachkriegszeit aufwarten konnte, verliessen die Trapperkönige den Campground und machten sich auf, die Stadt Nanaimo unsicher zu machen. Der nette Mann im Office – mit der lautesten Stimme seit Nella Martinetti – hatte uns auf der Karte noch einen schlauen Platz zum Parken eingezeichnet, den wir für einmal ohne grosses Suchen sofort fanden. Wir schlenderten dann dem Hafen entlang, der Mister „S“ holte sich noch Stamps für die Ansichtskarten und weiter gings in den nächsten Coffee-Shop, um die hiesige Espressoqualität zu testen. Not bad durften wir feststellen und weiter ging die Wanderung am Pier entlang. Unmittelbar vor unserer Ankuft hatte ein amerikanisches Kreuzfahrtschiff vor Nanaimo angelegt, und die Insassen durften nun die Stadt erkunden. Der Menschenstrom ergoss sich nun langsam über den Hafen. In einem netten Record-Store machten wir Halt und stöberten in den diversen Raritätenregalen rum. Raus kamen wir mit 2 gut gefüllten Säcken an musikalischen Highlights, von Tango bis Metal.

Nach einem weiteren Kack Schlufi (man erkenne das Wortspiel) ging unsere Reise weiter auf der 1 nach Victoria, wo wir unser zweitletztes Nachtlager aufbauen wollten. Der Herr Ossobucco fing mich dann an zu Quälen und legte seine neuerworbene CD von Astor Pizzaiolo ein, einem Meister des Tangos aus den 50er Jahren. Mit verweinten Augen erreichten wir Victoria. Unser Campground der Begierde lag wunderschön am Westbay mit direktem Blick auf den Hafen und die Skyline.

Es herrschte reger Verkehr auf dem Wasser.

Da unser Wäschevorrat schon seit dem 2. Tag in Kanada aufgebraucht war und unser Camper stank wie ein Iltisbau, schlug der Waschfachmann Ossobucco vor, man möge doch mal die schmutzigen Kleider in der sehr sauberen Laundry waschen. Und da der Herr Schärenbocker nicht gerade der Hirsch im Waschen ist, wurde ihm sogleich eine Einführung ins amerikanische Wasch- und Schleudersystem gewährt.
Die Zeit zwischen den Waschgängen schlugen sich die beiden mit primitiven Gamespielen auf Laptop und iPod um die Ohren.

Imposante Aussicht auf den Hafen von Victoria.

Der Herr Paul Because hat sich dann fürs Abendessen, was ganz Exquisites einfallen lassen. Zum bereits bekannten Spanish rice, entwickelte der Koch in einem separaten Töpfchen eine Leckerei aus … jawoll Onions, Garlic, Karotten und blonden Peperonis. Diese liess er zügig andämpfen, damit sie Röstaromen entwickelten. Dann etwas Wasser dazu mit lieblichen Gewürzen – ein eigentlicher Bouillonersatz – und zum Schluss den restlichen Rahm, von der samstäglichen Pilzschnittenschlacht. Leider war unser Frigo mal wieder schlechter Laune und liess sämtlichen Inhalt unter Null sinken. Dies stellte aber kein Hindernis für uns dar, so platzierte die männliche Frau Wildeisen den ganzen Rahmklumpen einfach in die Mitte der Pfanne und wenige Augenblicke später war dieser auch schon zu dem geschmolzen, für den er auf die Welt gekommen war. Noch etwas Milch dazu, nochmals kräftig Abschmecken und fertig war das gesunde Gericht à la minute de l’heure passé! Saumässig nahrhaft und mit vielen Vitaminen gespickt, so muss es sein und so wird es wohl den Herrn der Winde morgen mal wieder zügig durchblähen, damit er seine Hiking-Satin-Höschen richtig in den Wind legen kann. Wir sind ja schliesslich an einem Hafen, da sollten die Segel schon gehisst sein, wenn der Mistral daherkommt.

Eine herzhafte Mahlzeit für die Bärenjäger

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