Für einmal zeigte sich das Wetter auch nach einem bedeckten Tag nicht von seiner besseren Seite, so starteten wir dann zu einem gemütlichen Einkaufsbummel durch Victoria. Nach einem herrlichen Stop in einem Kafi, wo auch feiner Kuchen angeboten wurde, zog es uns in einen Schabernackladen der Extraklasse. Was da alles angeboten wurde, stellte selbst dem Schärenheini die Nackenhaare auf. Ein kleiner Auszug: ein 7er-Set an Zahnprotesen (für jeden Wochentag ein anderes), Gummitiernasen zum Umschnallen, ein Kommunistenbaselset, oder berühmte Personen als Gummientchen für in die Badewanne. Klar, dass hier ein längerer Boxenstop eingelegt werden musste.
Danach gings schnurstracks in den nächsten Music Records-Store, wo der Finanzhandel tüchtig angetrieben wurde. Hier wurden wir übrigens auch Zeugen eines uns unbekannten Albums namens „Swiss Mountain Music“ featuring Hi Fi Alphorns, Bells and Yodelling … Leider ein unverkäufliches Stück Schweizer Kulturgut.
Ein hübsches Irish Pub lud uns dann zu einem kurzen Umtrunk ein, wobei das Adjektiv „kurz“ nicht für die Aufenthaltsdauer, sondern die länge der neckischen Schottenröckchen der sympathischen Bardamen stehen soll. Dazu entweder kniehohe Stiefel oder Socken, die Herren Solarium und Schärenschnitt waren gerettet. Und so gingen Pint um Pint über die Ladenthecke bis die erste Ablösung uns dann die Rechnung vorwies. Knapp 80$ in 3 Stunden, ein hervorragender Schnitt, den selbst Michi Schumacher in seinen besten Zeiten nicht unterbieten hätte können.
Doch der Magen knurrte und Meister Kelle hatte noch restliches Reis vom Vorabend. Dieses musste jedoch noch Warten, denn auf dem Heimweg kehrten die beiden noch in einer weiteren Spunte ein, in der uns die zwar nette, aber biertechnisch leider schlecht ausgebildete Bardame noch ein belgisches Bier schmackhaft machen wollte. Im Abgang wie zu lange abgehangener Bärgkäse aus dem Piemont, trieb uns dieser Gerstensaft schon bald wieder aus dem Lokal und in ein somalisch-betriebenes Taxi. Daheim im Wohnviertel der Fahrenden loderte dann schon bald die Flamme und ein Topf voller Reis und Onions wurde cross angebraten. Dazu ein feiner Rotwein, den wir uns auf dem Heimweg noch unter den Nagel rissen.
Durch diesen Gaumenschmaus angetrieben, orderten wir kurz darauf erneut ein Taxi – diesmal mit indischem Driver – das uns erneut in die Stadt brachte. Nach kurzem Rekognoszieren der Wirtschaftslage zog es uns förmlich wieder ins Irish Pub, wo uns ein Jamaikaner mit 2 lustigen Käseraffeln in Empfang nahm. Nach kurzem Schmalgespräch über den 2. Weltkrieg und seinen Vater standen dann schon wieder die ersten Guiness auf der Theke. Die Serviceangestellte wurde dann schon bald in die erste Konversation miteingebunden, ein paar Nachos wanderten in unsere Kehlen, der nette Jamaikaner zahlte die erste Runde Tequila, wir zahlten es ihm heim und so weiter und so fort …
Jedenfalls war dann mal Feierabend im Irish Moos und wir mussten uns nun entscheiden: entweder nach Hause oder weiter in eine Disco. Natürlich wurde Vorschlag 1 nicht mal in Erwägung gezogen und so gings zu Fuss ins „???“ (der Schreiber kann sich nicht mehr an den Namen erinnern), wo uns die 3 Rausschmeisser um unsere Ausweise baten. Da wir nicht die Katze im Sack kaufen wollten, machte der Schärenkleister dann einen ersten Schnuppergang in die Höhle und gab dem Rauchbart grünes Licht. Ach ja, auf dem Velo fuhr uns noch der Barkeeper aus dem Irish Pub über den Weg, der von uns noch die 70$ haben wollte – wir waren in unserer Euphorie einfach ohne zu bezahlen gegangen.
Auch hier wurde wieder kräftig die Werbetrommel für „My Switzerland“ angekurbelt und nach ein paar weissen Russen und unschlagbar im Tischfussball verliessen wir den Laden. Per Taxi gings dann wieder in die West Bay, wo nach kurzer Erbrechungsphase des Kochs dann die Nachtruhe einkehrte.
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