Mit dem schrecklichsten Geräusch, das ein Blackberry je von sich gab, wurden unsere Träume jäh unterbrochen. Und der überraschend gut aufgelegte Herr Olar konnte es sich nicht verkneifen, den Klingelton einfach noch etwas länger laufen zu lassen und dem Schärenkater direkt an die Ohrmuschel zu halten. Nun war auch das Büsi wach und man konnte ein letztes Mal einen Caco geniessen, um sich dann sofort dem Camper anzunehmen.
Sämtliche Fressalien, die noch in unseren Vorratskammern schlummerten, wurden – zwar mit einem schlechten Gewissen – entsorgt, wie auch das Glas von den letzten Gelage. Danach gings dem Wasser an den Kragen, der Herzog von Kleister zog zum Finale nochmals die geil-gelben Handschuhe an und liess mit wehmütigem Blick das schmutzige Wasser in die ewigen Jagdgründe. Dass wir dabei noch kurz die Dusche – die wir übrigens nie benutzten – fluteten, sei hier nur nebenbei erwähnt.
Anschliessend Abfahrt nach Langley zur lustigen Bayerin mit dem schrecklisten Englisch seit Lothar Maddäus. An der Tanke gabs nochmals etwas Alk für unseren V8, damit der Tankzeiger auch schön ein Vierteli anzeigt und der nette Rob oder Rod oder wie er auch immer heisst Freude hat.
Einfahrt auf dem Gelände: wie Olympiasieger wurden wir empfangen. Frau Oktoberfest liess die Hüfte schwingen und der nette Rob oder Rod … lud zur La ola-Welle ein. Seine einzige Frage als wir die Fahrertüre öffneten war: „Did you guys break something?“ Klar did we not öppis kaput machen und so konnte man schon zum finanziellen Teil übergehen. Meine Befürchtungen, dass wir das Auto noch etwas besser hätten rausputzen müssen, verflüchtigten sich schlagartig. Nochmals Glück gehabt, die waren wohl schon froh, dass wir unfallfrei und in time zurück waren. Wir legten in diesen 26 Tagen knapp 4000 Kilometer zurück und mussten deshalb noch etwas draufzahlen. Die ebenfalls sehr nette Sandra orderte uns im Herzen von Vancouver an der Robsen Street ein erstklassiges Hotel, einzig die sauteure Internettaxe von 7 Dollar pro Tag fanden wir extrem überrissen.
Der noch netterere Hanspeter mit dem frisierten Bart (Serge nimm dir an dem ein Beispiel) fuhr uns dann ins Empire Landmark – so hiess der Schuppen – und übergab uns unserem Schicksal. Nach kurzer Frischmacherei waren wir auch schon wieder auf den Streets from Vancouver und machten uns auf einen Bummel durch die Stadt. Das enorme Asiatenüberangebot fiel uns sofort auf, hordenweise kamen sie uns entgegen die Chinesen, Japaner, Koreaner und Thailänder. Auch muss eine extreme Textliknappheit herrschen, die Mädels hatten die kürzesten Röcke, die uns je unter die Lupe kamen – Famos, würde der Herr Orkan dazu sagen. Bereits nach wenigen Schritten entdeckte der Herr der Winde einen Tobacco-Store, den er zum Auffrischen seiner Lungen kurz mal aufsuchte. Raus kam er mit einem dicken Grinsen und den schrägsten Zigis, die ich je zu Gesicht bekam. Die Verkäuferin habe im herbale Zigaretten angedreht, also solche ohne Tabak, dafür mit umso mehr Rumgeschmack. Auch visuell haute es mich fast vom Sockel, so war doch der Filter gülden und der Rest anthrazit – sehr speziell. Geschmeckt haben sie ihm jedenfalls gar nicht und so wanderten sie schon bald im Litter-Store. Unsere Wanderung endete beim Italiener, wo ein herrliches Ciabatta mit Tomaten und Salami (leicht erwärmt) den Weg in den Magen fand, serviert von der wunderhübschen Sabrina mit der üppigen Brustauslage. Spätestens jetzt waren wir Fan von dieser Stadt.
Danach gings weiter in den Stanley Park, dem Naherholungsgebiet der Wanker. Ich schickte noch eine SMS an Barbie und Pädi, denn sie hatten mir in den letzten Tagen mal mitgeteilt, dass sie in der Nähe von Vancouver gestrandet sind. Es dauerte jedenfalls nicht sonderlich lange, da meldeten sie sich und wir verabredeten uns im Park. Diese Grünanlage ist wirklich sehr hübsch gelegen, mit Direktanschluss ans Meer, zutraulichen Eichhörnchen, einem grossen Aquarium und umgeben von einem zweispurigen Weg, eine Spur für die Fussgänger und eine für Radfahrer, Jogger und Skater. Langsam merkten wir unsere Müdigkeit und liessen uns auf einer Parkbank nieder, eine unglaublich zufriedene Müdigkeit legte sich nun über uns, wir wären fast eingeschlafen. Just bevor unsere Äuglein der Schwerkraft zum Opfer fielen, fuhr der Riesentank der beiden Schweizer auf dem Parkplatz ein und wir begrüssten uns herzlich.
In einem Restaurant liessen wir uns nieder und der Austausch an Neuigkeiten konnte beginnen, dazu je ein Bierli, wir kamen langsam wieder in Höchstform. Anschliessend schlenderten wir dem Hafen entlang und kehrten beim Star von Bucks nochmals ein, um uns einen Espresso und 4 horny boys zu gönnen. Es war nun Feierabendverkehr auf dem Trottoir und man konnte so manche glatte Gestalt ausmachen. Extrem viele hübsche Frauen gaben uns dann den Anlass, ein Benotungssystem einzuführen und das vorbeiziehende Volk mit Punkten von 1 bis 6 zu versehen. Es stellte sich dann heraus, dass sowohl die Meinungen von Olbas und Barbie, als auch jene von Kleister und Pädi ziemlich kongruent schienen.
Das Highlight jedoch war ein ziemlich gepflegter Homeless, mit Stereokopfhörern und Wollpullover, der uns freundlich fragte, ob wir was dagegen hätten, wenn er mal den Abfalleimer, der neben uns stand, untersuchen würde. Da wir davon ausgingen, dass er nach Depoteinbringenden Flaschen suchte, gaben wir ihm natürlich grünes Licht. Lächelnd drehte er sich dann zum Kübel hin und fischte nach allem, was irgendwie noch ess- oder trinkbar war. Wenn er dann wieder einen halbvollen Becher Kaffee rauszog, prostete er der gesamten Gartenbeiz zu und haute sich das Zeug hinter die Binde. Auch angefressene Pizzas fielen ihm zum Opfer und genüsslich verschlang er sämtliche Nährstoffe, die dieser Abfalleimer noch in sich trug. Wir konnten uns ein Schmunzeln nicht verkneifen. Als er dann auch noch angewidert einen Becher schlechten Kafi ausschüttete, hatte er unser Herz gewonnen …
Langsam machten sich unsere Mägen mit einem Donnergrollen bemerkbar und so zogen wir weiter Richtung Gas Town, winkten einer Velodemonstration zu und machten es uns schliesslich beim Inder gemütlich. Bei Tandoory Chicken, Fisch, Beef und Orkans Vegeterian Meal liessen wir es uns gut gehen und hauten auch sämtliches Nanbrot, begleitet von einem herrlichen Kingfisher, in die Kiemen.
Unterdessen hatte sich auch unsere zweite Schweizer Bekanntschaft – die Wallis-Luzern-Verbindung – per SMS gemeldet und so machten wir uns auf, uns mit ihnen zu treffen. Die Wanderung quer durch die Stadt wurde immer wieder unterbrochen durch Bettelgespräche mit den Heimatlosen, die uns um ein paar Dollars anschnorrten. An der Ecke Robson/Granville Street trafen wir dann auf die beiden und suchten uns ein Lokal aus. Da Freitags bekanntlich bereits das Wochenende eingeläutet wird, stellte sich dies als ziemlich schwieriges Unterfangen heraus. Ganz Vancouver schien auf den Beinen zu sein und vor etlichen Clubs hatten sich meterlange Schlangen gebildet. Da wir lieber Trinken als Warten wollten, entschlossen wir uns für ein Irish Pub, wo wir uns sofort mit herrlichem Guiness versorgten. Platz fanden wir am Tisch eines älteren Pärlis aus Edinburg, mit welchem wir bald darauf in herrliche Diskussionen verwickelt wurden. Ihr „very-british-scottish-english“ war kaum zu verstehen, war aber egal, lustig wars trotzdem. Nach einer weiteren Ladung des dunklen Stoffs verabschiedeten sich Barbie und Pädi und wenig später ging auch für uns das Licht im Pub aus, denn die wollten Feuerabend machen. Nach einem kurzen Absacker im Bunker hiess es dann Tschüss-Sagen von Marie-Louise und Thomy, denn die beiden mussten am folgenden Tag früh aus den Federn und zum Flughafen transferieren.
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