4 Schweizer für die BC Lions

Samstag, unser zweitletzter Tag in Vancouver. Nach einer ordentlichen Dusche suchten wir den Blenz Coffee Shop auf, um uns mit einem Frühstück zu stärken. Anschliessend gings in den Stanley Park, wo wir dem Vancouver Aquarium einen Besuch abstatteten. Eindrücklich was wir und ca. 2′500 Kinder, die just heute ebenfalls mit ihren Eltern in diesen Wasserzoo geschleppt wurden.

Farbenfrohe Jellyfish beim Abgrooven

Von Seelöwen und -hunden, Seeotter, Belugas, Delfine, Haie, Schildkröten, Krokos und Amazonasbewohner über Quallen in den herrlichsten Farben bis zu giftigen Pfeilgiftfröschen, Spinnen und anderen Insekten. Alles natürlich bestens kommentiert von Serge Turnheer in deutsch und fekalenglisch.

Michael Phelps?

Da wir uns um 3 Uhr mit den beiden Brönznauer Urgesteinen des Schlüsselgraber-Clans verabredet hatten, gings dann nach 2 Stunden bereits weiter und wir marschierten eiligen Schritts wieder ins Herz der Stadt. Im Lennox Pub trafen wir die beiden, die bereits beim Bier und in Begeleitung von Celina waren. Wir setzten uns zu ihnen und der Gedanken- und Erfahrungsaustausch konnte beginnen.

Lange konnten wir jedoch nicht verweilen, denn um 6 Uhr stand der Canadian Football Match der BC Lions gegen die Hamilton Tiger-Cats auf dem Programm. Und da das Duo Olbas/Kleister noch keine Tickets hatten, machten wir uns schon bald auf dem Weg in Richtung Stadion. Unterwegs noch ein kurzer Halt in einer Pizzabude, um das Bier nicht in den nüchternen Magen plumpsen zu lassen.

Nun merkten wir auch auf der Strasse, dass da was grösseres auf uns zukommen musste, denn der Fanaufmarsch nahm zu, je näher wir ans Stadion gelangten. Vor dem Stadion, das in seiner Art sehr an die Allianz-Arena in München erinnert, waren diverse Stände aufgebaut. An einem konnte man sich den Kopf als Löwe sprayen lassen, an anderen konnte man Transparente mit Slogans schreiben und wieder an anderen gabs auch etwas Bier. Für uns jedoch nicht, denn ohne was zu Essen zu bestellen, gabs auch kein Bier. Dieser Geissel wollten wir uns jedoch nicht unterjochen und machten uns lieber daran, gute Tickets für Spiel zu ordern. Zudem wollten wir bei den Graber-Bros sitzen und machten das dem Ticketverkäufer scheinbar auch glaubhaft.

In Sousie’s Pub konnten wir dann unseren Bierhaushalt wieder in gesunde Bahnen lenken und lernten dort von auskunftsfreudigen Kanacken die Spielregeln kennen. Und schon hiess es Looooos und ab in den Tempel des Sports. Gate E wurde schon bald gefunden und kaum im Innern mussten wir uns noch die richtige Ausrüstung für diesen denkwürdigen Abend anschaffen. Die BC-Lions-Bauhelme im leuchtenden Orange schienen uns dafür die ideale Besetzung zu sein und so hielten wenig später die 4 Leuchten die Bauarbeiterkopfbedeckung in den Händen. Sehr viel später dann waren sie auch auf den Köpfen, denn man verschwendete elendiglich lange Zeit, mit dem Einsetzen des Innenhelms, der auch nach minutenlangem Konsultieren der Gebrauchsanleitung nicht richtig sitzen wollte. Als dann auch dies geschafft war und man sich mit je einem Bier an die Plätze begab, war das Spiel bereits am laufen. Und just beim Absitzen gabs bereits den ersten Touchdown zu bejubeln. Herrlich, „I love this game“, schrie ich nach hinten. Herr Olbas hatte seine Sitznachbarn schon bald in eine heftige Diskussion verwickelt, während neben mir ein Mann mit dem Fernglas die Cheerleader anstarrte. Innert Kürze zogen die Lions mit 14:0 davon, von den Tigerkatzen war erschreckend wenig zu sehen, die hätten wir im Schulsport bei Werni Maurer noch geschlagen.

Zwischen 2. und 3. Quarter gabs dann eine längere Pause, die wir für den Bier- und Food-Nachschub nutzten. Und weiter gings, die Defense der Lions wurde nur sporadisch geprüft, am Schluss stand es dann nicht sehr überraschend 40:10 für die Löwen. Kaum aus dem Stadion gestolpert, hauen uns schon die ersten kanadischen Fans an, um mit uns Fotos zu machen, der Helm schien uns so gut zu stehen … Vor allem die weiblichen Supporter schienen völlig hin und weg zu sein und wollten uns die Helme sogar fast klauen.

7 Helme für ein Halleluja!

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, heisst ein bekanntes Sprichwort und so überlegte man sich, wo man diesen wunderbaren Abend denn noch ausklingen lassen würde. Herr Obama schlug vor das Sandman aufzusuchen, sozusagen das Clublokal der BC Lions, wo sich angeblich alle Spieler und auch die Cheerleader noch einfinden werden. Nix wie dahin! Nach zweimaligem Nachfragen konnten wir uns in die Warteschlange stellen und wurden nach kurzem Durchchecken unseres Alkspiegels reingelassen. Wo waren wir da gelandet? Eine Mischung aus Tanztempel und Schluckhalle, gefüllt mit Darstellern aus der Serie „Schön & Reich“. Da passten wir doch hervorragend hinein und darauf tranken wir dann gleich mal eine Apfelschorle aus Gerstensaft. Davon gabs dann noch eine ganze Reihe mehr, man tanzte und flirtete, machte Bekanntschaft mit Russen und Minigolfern und so langsam wurde der Abend zur Nacht.

So gegen 1 Uhr war dann Schluss im Sandmännchen und man machte sich auf, noch was Essbares zu finden. Fündig wurde man erneut in einem Pizzaladen und steckte sich die fettigen, aber nahrhaften Slices ins Gefräss. Da um 3 Uhr nix mehr offen hatte, wurde einstimmig beschlossen, nach Hause zu gehen und mal kräftig zu schlafen.

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