Tags darauf pennten die Zofinger Wildschweine etwas länger als sonst, der vorangegangene Abend wurde spät und etwas alkoholhaltig. Pünktlich zur Checkout-Time wurden wir auf unsere Campsite verwiesen, die zum Glück nahe an der Dusche gelegen war. Wieso, werdet ihr bald erfahren.
Das Thermometer stieg an diesem Tag bis 26 Grad und die Sonne schien uns förmlich in den Arsch. Ideales Wetter für einen kleinen Marsch und so machten wir uns wenig später auf den „Singing Trail“ hoch, nach Whistler Mountain zu erklimmen und mit der Gondel wieder zurückzukehren.
Bei der Talstation trafen wir zu unserer Überraschung noch auf unsere neuen Freunde aus der Schweiz, die sich ebenfalls für die hiesige Bergwelt interessierten. Kurzerhand wurde für ein gemeinsames Nachtessen abgemacht, Natelnummern ausgetauscht und gute Besserung gewünscht. Denn den beiden Damen bekam der Weissrusse vom Vorabend nicht so ganz, sie fühlten sich etwas schwach auf der Brust. Der Sportlehrer jedoch wollte unserem Vorhaben folgen und etwas später ebenfalls den singenden Pfad besteigen.

Der Whistler Bike Park, ein Paradies für Jumpwütige!
Gesagt getan, die beiden Reisegesellen machten sich so dann auf den Weg zum Start des singenden Pfades. Vorher wurde vom Herrn Quolmar aber noch eine schöne runde inhaliert und der Herr General Marschführer Schär-Lee knipste sich noch die Pfoten wund, um ein paar irre Downhiller in Bild mit seiner super tollen Lexus-für-Reiche Kamera zu verewigen. Dann nahm unsere volle Konzentration eben der Pfad der Wiener Sängerknaben in Anspruch und wir marschierten looos! Und eins können wir euch verraten – dieser vermaledeite Pfad hatte es aber so richtig in sich…es hiess, es seien ca. 12 Kilometer auf den Pass. Und der Plan war, dass man dann mit dem schönen Sessellift wieder zurück ins Tal kommen würde. Aber wie es im Leben manchmal so spielt, es kam alles anders…
Es ging zuerst entlang der Downhill Strecke der wahnsinnigen Biker und nach ca. 1 Kilometer teilte sich der Weg und man verabschiedete sich von den Stramplern. Es ging gleich zügig rauf, durch Wald und über einen Haufen Steine, um in eine kurze Ebene von Sand zu münden, aus welcher man nur über einen kurzen Steilhang hinab und über einen längeren wieder hinauf entkam. Danach ging es über ein paar mit viel Liebe gebastelte Brücken, über einen Fluss, welchen man über Schotter und Steine überqueren musste und quer durch den Wald, über wiederum mit noch mehr Liebe gebastelte und vor allem grössere Brücken. Ganz genau zwei in der Zahl – die ersten zwei Kilometer brachten der Herr Schärenkleister und die Agathe vom Polar alleine hinter sich. Dann schloss doch tatsächlich der Kampfsportler in Form von Patrick mit dem schönsten Camper der Nation zu uns auf und wir rannten die nächsten 4 Kilometer den Berg hinauf. Der Herr Kleister und die Agathe waren kurz vor dem Kollaps, während der mit dem Camper tanzt frisch fröhlich vor sich hinplapperte, um uns bei Laune zu halten. Nach diesen fast unerträglichen Strapazen verlieh, in einem Tempo, das dem Herrn Salzdress aka Kleister und Almöhi Agathe schon total schlecht war…

Leere Blicke, schwache Beine ... it's the point of no return!
Nach etwa zwei Stunden hartem Kampf mit dem Berg erreichten die beiden mittlerweile nicht mehr lustig sondern eher SEHR traurig dahinwankenden Gesellen doch tatsächlich die Passhöhe! Man freute sich in Form von einer Banane, einer Nektarine, einem Schlot für die Agathe plus ca. 24 Liter klares kaltes Wasser. Leider währte die Freude nur kurz, da der Wegweiser der uns eigentlich den richtigen Weg weisen sollte, überhaupt keine Anzeichen dafür machte! Eine wirklich masslose Frechheit war das! Wir ärgerten uns grün und blau und wahrscheinlich ist es nämlich so, dass wir deshalb am nächsten Tag unsere Beine nicht mehr gespürt haben, jawohl! Nein, der Wegweiser gab uns überhaupt keine Information, in welcher Richtung sich wohl der rettende Sessellift befand…nach je einem Kilometer entlang der beiden angezeigten Wege entschlossen sich die beiden mittlerweile gezeichneten Wandersleut, den gleichen Weg wieder zurück ins Tal zu nehmen.

Dies war dann die Aussicht, nach stundenlangem Kampf.
Schlussendlich war man dann nach rund 30 Kilometern Marsch im Arsch sprich 6 Stunden wieder im temporären Heim für Aussätzige, Bärenbärte und blinde Copiloten angekommen (Anmerkung der Redaktion: es gibt noch einige andere blinde Copiloten als der hier im Artikel vermerkte.).
Da die Herren Agathe-mit-schmerzendem-Hintern und Smörebroed-der-seine-Beine-kaum-noch-spührte um acht Uhr ein erneutes Rendezvous mit den netten Schwiiizern vom gestrigen Abend hatten, machten sie sich schnurstracks auf und ab unter die Dusche. Humpeln wie einst die dehydrierte Marathonläuferin Gaby Andersen 1982 in Los Angeles machten sich die beiden Cliff-Adonisse auf unter die Dusche. Die absolute Höhe der Geschmacklosigkeit war allerdings, dass man auf diesem Campground auch noch fürs Duschen bezahlen muss. 1$ für 6 Minuten warmes Wasser, noch nie haben die beiden Wandersratten eine Dusche so empfunden wie jetzt. Leider funktionierte das Abdieseln nur bei einem – für einmal hatte der Herr Aurelius Trollmar den Zonk gezogen, und musste mit seinem weissen, nackten Bärenarsch sämtliche kaputte Duschen durchtesten, bis er endlich eine fand, die seine Dollars annahm. Zu seinem Pech kam dann auch noch dazu, dass er, total eingeschäumt wie die Dame in der Miss Fenial-Werbung, kein Wasser mehr bekam und auch seinen nigelnagelneuen Dollar wurde nicht akzeptiert. Zum Glück hatte Meister Kleister noch etwas Restwasser und so nahm er die Human-Schaumparty bei sich auf.
Die Zeit rannte uns etwas davon, die Uhr zeigte schon viertel nach acht und da wir eh kaum einen Schritt ohne Sauerstoffzelt machen konnten, gönnten wir uns ein Taxi, das uns Downtown brachte. Unterdessen bekam der Meister der Pixel ein SMS von der Babsi, dass man sich doch im Bocca Restaurant, just neben dem weltbekannten Amsterdam, niederlassen könnte.
Und so traf man die 4 Rotpassträger vor besagter Beiz, um diese sogleich zu entern und den Speiseplan zu studieren. Herrliche Sachen wurden da angepriesen, Teriaki-Ente, mit Feta gefüllte Pouletbrust oder auch Pfeffersteak. Zum Glück sah es nicht bloss auf der Karte schön aus, sondern mundete auch im Gaumen vorzüglich. Sogar für den Prinz der Veganer richteten die emsigen Köche etwas her, das seiner von Meister Schärenklöpfer verwöhnten Zunge angenehm war. Wie wir dann erfuhren, hatte auch der Nahkampfsportler Pädi aus dem Fasnachtskanton mit den Tücken der Kanadischen Wegweiser zu kämpfen. Da er nicht die Variante wie wir – nämlich denselben Weg zurück – wählte, musste er tüchtig Gutzi geben, um vor Kontrollschluss das letzte Bähnli zu erreichen. Und das war bereits um 17.30 Uhr. Total fertig, mit salzigem Grindli, schlaffen Beinen und feuchtem Schritt erreichte er schliesslich den Gipfel, um das Gondeli der Freude besteigen zu können. Für diesen Effort jedoch musste er Tribut zollen, und so wollte er und sein Gspusi nach dem Kafi auch wieder in den Camper zurück, um sich zu erholen. Da ihr Zeltplatz einige Kilometer entfernt und nicht leicht auffindbar war, schlossen sich Paar Nummer 2, Marie-Louise und Thomy, diesem Vorhaben an.
Mit Tränen in den Augen verabschiedete man sich und hoffte auf ein Wiedersehen in Vancouver Ende September. Die beiden Sumpfdrosseln zog es dann noch ins benachbarte Amsterdam, wo anscheinend noch DIE Party schlechthin am laufen war. Tätowierte Menschen, knapp bekleidete Damen, schwere Zungen, dies die ersten, aber auch entscheidenden Eindrücke dieses Etablissements. Volltreffer – uns gefiehl es auf Anhieb und als dann die nette Bardame im knappen Röckchen auch noch auf den Tresen stieg, um eine Flasche Whisky aus den oberen Regionen zu holen, war es um die beiden geschehen. Man genoss einige Honey Pale Ale Lager weiss-der-Kukuck und beäugte das emsige Treiben, der vorwiegend velofahrenden Freaks mit den kurzen Hosen und den Flip-Flops. Da es ein normaler Werktag war, wurde pünktlich um 12 Uhr geschlossen und man entschloss sich, nochmals ein Taxi zu ordern, um die geschundenen Knochen zu schonen.